Markus Eigenmanns prominente Nachbarin sagt: «Für uns Gewerbler ist er eine grosse Hilfe»
2. Oktober 2025

Markus Eigenmann im Gespräch mit seiner Nachbarin Barbara Jenzer im «Ochsen» in Arlesheim. Bild: Kenneth Nars
Nur für den Coiffeur geht der Arlesheimer Gemeindepräsident nach Basel. Der FDP-Regierungskandidat lebt die kurzen Wege. Ein Treffen im Ortskern, wo Markus Eigenmann wohnt und immer wieder im «Ochsen» einkehrt.
Heute lachen sie über die Episode.
Corona-Pandemie. Wie viele Kleinbetriebe steckt der Gasthof Ochsen in einer ernsten Lage. «Damals konnte man zu einem Spottpreis bei uns übernachten. Es war eine innovative Zeit», erinnert sich Barbara Jenzer am runden Gasttisch mit weissem Tischtuch.
Die Inhaberin des «Ochsen» und der angrenzenden Metzgerei ist in der Not erfinderisch. Weil nur Hotelgäste in Gasthöfen speisen dürfen, bietet die Unternehmerin spontan Wochenendpakete an. «Ich habe damals auch ein Hotelzimmer gebucht und hier übernachtet», sagt Markus Eigenmann und lacht. Sein Haus liegt keine 100 Meter vom Gasthof entfernt im alten Ortskern Arlesheims. In der Krisenzeit zeigt er sich solidarisch mit der Nachbarin.
Am Elternabend ein Sofa geteilt
Die Jenzers und Eigenmanns prägen im Dorf das Geschehen. Erstere als Gewerbler, die das Dorf beleben. Und Eigenmann hält als Gemeindepräsident die politischen Fäden in den Händen.
«Für uns Gewerbler ist er eine grosse Hilfe. Er hat immer pragmatische Lösungen präsentiert», sagt Barbara Jenzer. Trotz räumlicher und freundschaftlicher Nähe, habe er jedoch nie irgendwelche Parteien bevorteilt. «Wir machen keine Lex Jenzer», sagt Eigenmann.
Die Freundschaft mit der Familie Jenzer begann an den gemeinsamen Elternabenden, an welchen sich Christoph Jenzer und Eigenmann das Sofa im Klassenzimmer teilten. Wenn es die eng getakteten Agenden der beiden Familienväter erlauben, fahren sie gelegentlich mit dem Mountainbike auf den Gempen hoch – eine Leidenschaft, welche die Familien verbindet. Zwei ihrer Töchter sind heute noch beste Freundinnen.
«Er ist ein Familienmensch und bleibt in jeder Situation ruhig», sagt Barbara Jenzer. Das habe sich auch vor bald zwei Jahren gezeigt, als die Gemeinde Arlesheim an einer mit fast 500 Einwohnenden rekordverdächtig besuchten Gemeindeversammlung bis nach Mitternacht über das Ortsbild debattierte. Barbara Jenzer verteilte mit ihrem Ehemann allen Besuchern einen Snack und staunte, wie «korrekt und anständig» Eigenmann die hitzige Debatte leitete.
Grossvater war St. Galler Regierungsrat
Die Ruhe ist wahrhaftig jene Eigenschaft, die in der Konversation mit Eigenmann als Erstes auffällt. Er spricht so unaufgeregt, wie sich seine makellose Vita liest.
Die Politik war am Esstisch seines Elternhauses immer Gesprächsthema. Den Freisinn bekam er von Vater und Mutter mit auf den Weg. Beide politisierten im Gemeinderat von Hofstetten-Flüh, wo Markus Eigenmann aufwuchs. Politisch aktiv war auch schon der Grossvater, der im Kanton St. Gallen gar als Regierungsrat amtete.
Gut vier Jahre seiner Kindheit verbrachte er in in New Jersey in den USA. Mit seinen Geschwistern sprach er damals englisch. «Es war eine innovative Schule, wir haben damals in den 80er-Jahren bereits einfache Programmiersprachen gelernt», erzählt Eigenmann. Mit amerikanischem Akzent kehrte er an die Sekundarschule zurück. Fürs Studium als Elektroingenieur verlegte er seinen Lebensmittelpunkt für fünf Jahre nach Lausanne. Weil er auch ein wenig Italienisch spricht, sagt der 54-Jährige lächelnd: «Was die Sprachen betrifft, könnte ich es mit den meisten Bundesräten aufnehmen.»
Im Jahr 2000 zog Eigenmann mit seiner Familie in ein Aussenquartier Arlesheims. Zunächst diskutierte er in einer Begleitgruppe zum neuen Leitbild der Gemeinde mit. Dann wirkte er im Schulrat und erlebte dabei die Fusion der Sekundarschulen.
Arlesheims Geheimnis für ein lebendiges Dorfleben
Vor 15 Jahren kaufte die Familie ein historisches Haus aus dem 18. Jahrhundert mitten im Arlesheimer Ortskern. Mit dem Umzug in das Herz des Dorfes folgte die nächste Aufgabe: Der gebürtige Schwarzbube schaffte die Wahl in den Gemeinderat. Vier Jahre später übernahm er das Präsidium der Exekutive.
Mit dem Gemeinderatsgremium kehrt Eigenmann immer wieder bei Barbara Jenzer im «Ochsen» ein. Das gemeinsame Essen nach den Sitzungen sei ein fester Brauch, um auch ausserhalb der politischen Debatte im Austausch zu bleiben, erklärt Eigenmann. «Zum Glück haben wir im Dorf noch mehrere Restaurants.» Die Beizen werden im Turnus berücksichtigt.
Dass in Arlesheim das Leben noch pulsiert, sei einem raumplanerischen Entscheid vor ein paar Jahrzehnten zu verdanken, sagt der Gemeindepräsident. Damals wurde der Ortskern vom Durchgangsverkehr befreit. Auch der Verbleib der beiden Grossverteiler im Dorf sei entscheidend für die gewerbliche Konstellation im Dorf, glaubt Eigenmann.
In diesem Umfeld können sich in Arlesheim noch verhältnismässig viele kleine, unabhängige Läden behaupten. «Ich selbst gehe nur noch für den Coiffeur nach Basel», sagt er. Ein Überbleibsel eines kurzen Lebensabschnitts in der Stadt.
«Wir haben den Kindern von Beginn weg klar gesagt: Wir fahren euch nirgendwo hin. Ihr müsst im Dorf Sport machen», sagt Barbara Jenzer. Das Vereinsleben trage auch zum Zusammenhalt im Dorf bei, und neben dem eigenen Betrieb blieb keine Zeit für weite Fahrten.
Öfter auf dem Rad als im Auto unterwegs
Eigenmann geniesst das Leben der kurzen Wege. Sein 18 Jahre alter Bus bleibe oftmals auch eine Woche lang unberührt stehen. Wenn er sich ein neues Auto anschaffen würde, dann ein Elektrofahrzeug, sagt er. Um zu seinem Unternehmen in Reinach zu fahren, nimmt er lieber das Velo. Seine Firma Alpha Diagnostics entwickelt ein kompaktes Kästchen, das Schiffs- und Diesellokmotoren aushorcht.
Während Eigenmann das lokale Leben geniesst, sind drei seiner vier Kinder mittlerweile dem Lockruf der Stadt gefolgt. «Einer hat die Lehre in Arlesheim gemacht, zog aber trotzdem nach Basel», erzählt Eigenmann und lacht. Zwei haben sich für eine Berufsbildung entschieden, die anderen beiden absolvierten weiterführende Schulen.
Für Eigenmanns Fürsprecherin Barbara Jenzer ein weiteres Argument, weshalb er für das Regierungsamt in der Bildungsdirektion geeignet sei. «Er hat das Verständnis für ein duales Bildungssystem, das durchlässig ist», sagt Jenzer, die selbst 14 Lehrlinge ausbildet und nicht ohne Stolz erzählt, dieses Jahr sechs ehemalige Lehrlinge angestellt zu haben, die einst bei ihr geschult wurden.
Kleine FDP-Hochburg hält sich wacker
Anders als an vielen anderen Orten ist die FDP in Arlesheim noch eine feste Grösse. Während der Freisinn national auf 14 Prozent absackte, erreichte er in der Birstaler Gemeinde rund 30 Prozent Stimmanteile bei den letzten Wahlen.
Zu welchem FDP-Flügel Eigenmann zählt? Seine Antwort ist vielsagend: Zwar gebe es noch Vertreter in der Partei, die der Wirtschaftskammer Baselland nahestünden. «Aber das ist eine vergangene Epoche. Die Verbände haben politisch nicht mehr die gleiche Bedeutung wie früher», sagt er.
Die Energiepolitik spaltet die Partei und in dieser Frage gehört Eigenmann zum progressiveren Flügel. In seinem alten Haus hat er von der Öl- auf eine Holzpelletheizung umgestellt. «Ich hatte glücklicherweise genug Platz im Keller für das Pelletlager.» Nun wolle er dafür sorgen, dass die Fernwärme bis in den Ortskern kommt. «Wir möchten auch nicht, dass jedes Haus eine Wärmepumpe hinstellt», sagt er.
In der Lokalpolitik gibt sich Eigenmann, wie es Jenzer sagt: pragmatisch. Und bleibt dabei seiner unaufgeregten Art treu. Nun möchte er das vertraute Nest verlassen und den Kanton als Regierungsrat anführen.
Quelle: bz online

