Das Baselbiet braucht einen Modernisierungsschub
1. September 2025

Der Arlesheimer Gemeindepräsident und Unternehmer Markus Eigenmann bewirbt sich um den frei werdenden Sitz in der Baselbieter Regierung.
Herr Eigenmann, was hat Sie zu einer Kandidatur für den Regierungsrat bewogen?
In vielen Bereichen kommt unser Kanton nicht vom Fleck. Sei es bei den Verkehrsproblemen, der Gesundheitspolitik oder dem Verhältnis zwischen Kanton und Gemeinden: Wir müssen wieder Ansätze finden, um Projekte in vernünftiger Zeit umzusetzen. Das Baselbiet braucht einen Modernisierungsschub, sowohl inhaltlich als auch strukturell. Das ist die Herausforderung, die mich an der Aufgabe als Regierungsrat reizt.
Kommt für Sie die Kandidatur zum richtigen Zeitpunkt?
Für einen Gemeindepräsidenten kann das Amt des Regierungsrats eine logische Fortsetzung der politischen Karriere sein. Ich habe im Verlauf meines Berufslebens in grossen, mittleren und kleinen Industrieunternehmen Führungserfahrung sammeln können. Dank meiner Funktion im Kantonalen Führungsstab und als höherer Stabsoffizier in der Armee konnte ich zudem vielfältige Kontakte in die kantonale Verwaltung sowie zu Regierungsmitgliedern der umliegenden Kantone knüpfen. Und schliesslich bin ich noch jung genug, um mich für mindestens zwei Amtszeiten zur Verfügung stellen zu können.
Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit wird die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion frei. Welche Schwerpunkte würden Sie im Bildungsbereich setzen?
Zuallererst glaube ich, dass wir die Autonomie der einzelnen Schulen im Kanton stärken müssen. Auch die einzelnen Lehrerinnen und Lehrer sollten möglichst viel Spielraum bei der Gestaltung des Unterrichts haben, natürlich immer unter der Auflage, dass die Bildungsziele erreicht werden. Anpassungsbedarf sehe ich beim Fremdsprachenkonzept; insbesondere die Französischkenntnisse unserer Schülerinnen und Schüler sind am Ende der obligatorischen Schulzeit zu schwach. Schliesslich muss die Ausbildung unserer Lehrerinnen und Lehrer an der Pädagogischen Hochschule praxisnäher werden.
Was ist Ihnen im Bereich Wirtschaft wichtig?
Für unsere Unternehmen müssen wir möglichst gute Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehört ein funktionierendes Verkehrssystem, aber auch schlankere Bewilligungsverfahren.
Sie sprechen die Verkehrsprobleme in der Region an.
Genau, heute krankt unser Verkehrssystem daran, dass die Infrastruktur sternförmig auf Basel ausgerichtet ist. Wir brauchen mehr Tangentialverbindungen, denn diese haben das Potential, die heute verstopften Achsen zu entlasten. Dabei spreche ich nicht nur vom Strassenverkehr, dasselbe Problem haben wir beim Schienenverkehr mit Tram und S-Bahn. Direkte und sichere Veloverbindungen in der Agglomeration spielen zudem eine wachsende Rolle bei der Bewältigung der erwarteten Verkehrszunahme.
Und was sagen Sie zur Gesundheitspolitik?
Wir brauchen in der Region Basel für die anstehenden Investitionsentscheide im Spitalbereich eine abgestimmte Planung – aktuell ist eine solche für mich nicht ersichtlich. Die Gesundheitsversorgung müssen wir einerseits ausrichten an den Bedürfnissen der Bevölkerung; andererseits muss aber auch die Wirtschaftlichkeit des Betriebs im Auge behalten werden.
Und zum Schluss: Was ist für Sie gute Regierungsarbeit?
In fast allen Fällen geht es darum, zuerst die Ausgangslage zu analysieren, anschliessend Lösungsvarianten zu prüfen, verschiedene Interessen abzuwägen, Mehrheiten für machbare Lösungen zu finden, und diese dann zügig und pragmatisch umzusetzen. Oder in Kurzform: «Zuelose – entscheide – umsetze!»
Quelle: Regio aktuell

